Im Interview
CO2-Kompensation funktioniert, wenn man es richtig macht
Der Schweizer Kompensationsanbieter My Climate hat eine Dependance in Deutschland gegründet. Geschäftsführer Stefan Baumeister zu den Gründen und der Rolle der Kompensationsdienstleister.GTR: Herr Baumeister, My Climate ist nun neben der Schweiz auch in Deutschland vertreten. Was ist der Hintergrund?
Baumeister: Wir können unsere deutschen Kunden dadurch nun besser betreuen. Und ihnen als gemeinnützige GmbH auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Dies ging aus der Schweiz heraus bislang nicht.
GTR: Zu ihren Kunden zählen Fluggesellschaften wie Lufthansa, Swiss oder TUIfly. Sind deren Kunden denn bereit, ihre Emissionen zu kompensieren?
Baumeister: Die Bereitschaft wächst. Der Anteil der Passagiere, die kompensieren, liegt bereits im deutlichen einstelligen Prozentbereich. Der Anteil ist umso größer, je besser das Angebot in den Buchungsprozess integriert ist. Bei TUIfly etwa erhalten Sie automatisch während der Online-Buchung den Preis für die Kompensation der entstehenden Emissionen angezeigt und können per Mausklick akzeptieren.
GTR: Welches Potenzial sehen Sie hier perspektivisch?
Baumeister: Ich weiß, dass manche Airlines bereits zweistellige Raten anpeilen. Doch ich denke, das wird noch etwas dauern. Es ist eine langsame, aber kontinuierliche Entwicklung.
GTR: Wo wird abseits der Airlines das Angebot, seine Reisen klimaneutral zu stellen, besonders gut angenommen.
Baumeister: Im Prinzip überall dort, wo online verkauft wird und das Angebot integriert ist. Doch in der Schweiz haben wir auch Reisebüros als Partner, die im stationären Verkauf viele ihre Kunden dazu bewegen, den Klimabeitrag zu leisten.
GTR: Ab 2013 werden die Airlines in den Emissionshandel der EU einbezogen. Wird damit die individuelle Kompensation nicht überflüssig?
Baumeister: Keinesfalls, denn die Fluggesellschaften erhalten auf Basis ihrer durchschnittlichen Emissionen 2004-2006 ganze 85 Prozent ihrer Emissionszertifikate geschenkt.



