CO2-Kompensation funktioniert, wenn man es richtig macht

GTR: Herr Baumeister, My Climate ist nun neben der Schweiz auch in Deutschland vertreten. Was ist der Hintergrund?  

Baumeister: Wir können unsere deutschen Kunden dadurch nun besser betreuen. Und ihnen als gemeinnützige GmbH auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Dies ging aus der Schweiz heraus bislang nicht.

GTR: Zu ihren Kunden zählen Fluggesellschaften wie Lufthansa, Swiss oder TUIfly. Sind deren Kunden denn bereit, ihre Emissionen zu kompensieren?  

Baumeister: Die Bereitschaft wächst. Der Anteil der Passagiere, die kompensieren, liegt bereits im deutlichen einstelligen Prozentbereich. Der Anteil ist umso größer, je besser  das Angebot in den Buchungsprozess integriert ist. Bei TUIfly etwa erhalten Sie automatisch während der Online-Buchung den Preis für die Kompensation der entstehenden Emissionen angezeigt und können per Mausklick akzeptieren.  

GTR: Welches Potenzial sehen Sie hier perspektivisch?  

Baumeister: Ich weiß, dass manche Airlines bereits zweistellige Raten anpeilen. Doch ich denke, das wird noch etwas dauern. Es ist eine langsame, aber kontinuierliche Entwicklung.

GTR: Wo wird abseits der Airlines das Angebot, seine Reisen klimaneutral zu stellen, besonders gut angenommen.  

Baumeister: Im Prinzip überall dort, wo online verkauft wird und das Angebot integriert ist. Doch in der Schweiz haben wir auch Reisebüros als Partner, die im stationären Verkauf viele ihre Kunden dazu bewegen, den Klimabeitrag zu leisten.  

GTR: Ab 2013 werden die Airlines in den Emissionshandel der EU einbezogen. Wird damit die individuelle Kompensation nicht überflüssig?  

Baumeister: Keinesfalls, denn die Fluggesellschaften erhalten auf Basis ihrer durchschnittlichen Emissionen 2004-2006 ganze 85 Prozent ihrer Emissionszertifikate geschenkt. Nur für 15 Prozent müssen zukaufen. Zudem wird bei der Emissionsberechnung nur CO2 berücksichtigt, aber  kein RFI-Faktor angesetzt, der die anderen Treibhausgase und ihre Auswirkungen in höheren Luftschichten abbildet.  

GTR: Im Markt der Kompensationsanbieter tummeln sich immer mehr Mitspieler. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung.  

Baumeister: Wir selbst sind gemeinnützig und arbeiten nicht gewinnorientiert. Doch es gibt mittlerweile auch einige kommerzielle Anbieter, die glauben, dass in diesem Markt Geld zu verdienen ist. Prinzipiell sehe ich das nicht negativ, da es auf diesem Feld noch viel zu tun gibt – so lange die Anbieter seriös sind und einen guten Job machen. Wem sie letztlich ihr Vertrauen schenken, müssen Reisende und Reiseanbieter selbst entscheiden.