Wie intelligente Mobilität funktioniert

Herr Schramek, wie können Unternehmen ihre Mobilität intelligenter gestalten?

Michael Schramek: Indem sie das bisherige Verhalten überdenken und den Mitarbeitern Anreize geben, sich anders zu verhalten.

Was heißt das konkret?

Schramek: Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin hatte einen Firmenwagen, wollte aber eine Reise mit der Bahn unternehmen, Kosten: 38 Euro. Der Vorgesetzte lehnte ab, kein Budget. Dies veranschaulicht das getrennte Denken in Budgets für Auto und Bahn, Die Bahn wird auf die Abteilung gebucht, das Auto auf den Fuhrpark. Damit ist die Bahn aus Abteilungsperspektive stets teurer als der Pkw.

Ist es nicht sinnvoll, einen vorhandenen Dienstwagen zu nutzen?

Schramek: Nicht immer. Die durchschnittlichen Kilometerkosten der Bahn liegen mit einer gut genutzten Bahncard 100 bei etwa sieben Cent pro Kilometer, mit einer Bahncard 50 sind es vielleicht zehn oder elf Cent. Das ist weniger als der Firmenwagen allein an Sprit verbraucht.

Wie motiviert man die Mitarbeiter dazu, im Einzelfall die bessere Alternative zu wählen?

Schramek: Etwa durch ein gemeinsames Mobilitätsbudget, in das sämtliche Kosten für die Mobilität des firmenwagenberechtigten Mitarbeiters einfließen. Man betrachtet dann über alle Alternativen hinweg die Kilometerkosten. Beispielsweise nutzt jemand einen Audi A4 als Dienstwagen, den die Firma bezahlt und er versteuern muss. Damit fährt er 20 Kilometer zur Arbeit und hin und wieder auf Dienstreise. Vielleicht wäre er im Alltag mit einem Golf oder Polo zufrieden, wenn er bei Bedarf ein größeres Pool-Fahrzeug bekäme und dazu eine Bahncard. Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden deutlich günstiger wegkommen, die Kilometerkosten würden sinken.

Ein solches Umdenken würde vermutlich zu weniger Autonutzung führen?

Schramek: Wenn die Anreize richtig gesetzt werden, ja. Das ist übrigens ein oft geäußerter Wunsch. Wir arbeiten derzeit mit einer Außendienst-Organisation, deren Mitarbeiter bislang nur Auto fahren. Diese klagen über lange Arbeitstage, Rücken- und Schulterprobleme. Sie kommen oft aus stressigen Terminen und steigen in ein Verkehrsmittel, in dem sie keinen Stress abbauen können. Hier erarbeiten wir gerade eine neue Mobilitätsstrategie, von der Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren, erstere durch weniger Stress und mehr Freizeit, beide durch niedrigere Kosten oder auch verringerten Krankenstand, letztere durch eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber.

Und wie sind Sie selbst unterwegs?

Schramek: Ich lege rund 100.000 Kilometer im Jahr zurück, davon 30.000 mit dem Auto. Dazu habe ich drei Flatrates für Mobilität: Eine Bahncard 100, einen Dienstwagen und ein Faltrad mit Elektroantrieb. Vor allem mein E-Bike habe ich sehr schätzen gelernt. Damit wird die Anschlussmobilität zum Kinderspiel – und hält mich gleichzeitig fit.